Da geht der Post ab: Wenn Mitarbeiter auf eigenen Profilen über Ihre Firma posten - dann haften Sie!

Wussten Sie, dass Sie als Unternehmer auch für die privaten Facebook-Aktivitäten Ihrer Mitarbeiter haften können? Rechtsanwalt Thomas Schwenke nennt Details. In einem Gastbeitrag auf allfacebook.de, dem inoffiziellen Facebook Blog, gibt er Tipps, wie man sich vor ungewollten Mitarbeiteräußerungen im Internet schützen kann.

Es geht um ein Urteil des Landgericht Freiburg welches entschied, dass ein Autohaus für ein Facebookposting eines Mitarbeiters auf dessen privater Chronik haften muss. Ein Mitarbeiter eines Autohauses hat in einem privaten Facebook-Posting mit einem Bild eines zum Verkauf stehenden Autos auf eine Aktion des Autohauses aufmerksam machen wollen. Zusammen mit Angaben zu verschiedenen Autotypen, Preisen und sogar Preisnachlässen der Aktion stand der Mitarbeiter seinen Bekannten und Freunden unter seiner Dienstnummer zur Verfügung.

Zunächst mahnte die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e.V. den Autohausinhaber ab - wegen eines Wettbewerbsverstoßes. Begründung: Notwendige Pflichtangaben, die bei Werbung für Kraftfahrzeuge zu beachten sind, fehlten.

Der Autohausinhaber meinte, dass er nicht für Beiträge einstehen kann, die der Verkäufer auf dessen privatem Profil, ohne Anweisung und Kenntnis des Autohausinhabers, verfasst hat. Das Gericht sah das anders und meinte, dass es sich nicht um einen rein privaten Beitrag handelte und daher der Autohausinhaber unabhängig von seiner Kenntnis haftet. Dabei verwies das Gericht auf den § 8 Abs.2 des Gesetzes gegen den Unlauteren Wettbewerb (UWG).

Der Gedanke hinter der Vorschrift ist, dass Unternehmer sich nicht hinter ihren Mitarbeitern verstecken sollten. Ansonsten könnten Unternehmen rechtswidrige Werbemaßnahmen durch ihre Mitarbeiter durchführen lassen. Die Mitbewerber könnten sich nicht dagegen wehren und müssten sich allenfalls an die (in der Regel viel weniger solventen) Mitarbeiter wenden, während das Unternehmen im Hintergrund die Vorteile genießen würde.
(Zitiert aus: http://allfacebook.de/policy/so-vermeiden-sie-die-haftung-fuer-private-facebook-aktivitaeten-ihrer-mitarbeiter)

Schwenke ist der Ansicht, dass nun nicht gleich allen Mitarbeitern jegliche Äußerung zum Unternehmen untersagt werden sollte. Das sei zudem auch gar nicht möglich. Er nennt aber fünf gute Tipps um die eigenen Mitarbeiter im Umgang mit Social Media aufzuklären:

  • Keine Werbemaßnahmen - Mitarbeiter sollten keine werbeanzeigenähnliche Beiträge in deren Social Media Profilen von sich aus posten
  • Kein Auftreten im Namen des Unternehmens - Mitarbeiter sollten immer im eigenen Namen sprechen und den Eindruck, sie würden offiziell im Namen des Unternehmens sprechen, vermeiden (z. B. mit dem Zusatz „ich kann nur für mich und nicht im Namen meines Arbeitgebers sprechen“).
  • Schleichwerbung vermeiden - Werden werbende Beiträge des Arbeitgebers retweetet oder kommentiert, sollte auf die Verbindung zum Unternehmen hingewiesen werden (z. B. „Hinweis: Ich bin für das Unternehmen tätig“ oder “Mein Arbeitgeber veranstaltet ...”).
  • Eigenes Krisenmanagement vermeiden - Wird über das eigene Unternehmen negativ gesprochen, sollte das Social Media Team informiert werden, bevor ein Mitarbeiter sich selbst für das Unternehmen in einem Streitgespräch engagiert. Ist das nicht zu vermeiden, sollte unbedingt ein Hinweis auf die Unternehmenszugehörigkeit erfolgen, sowie dass man nur im eigenen Namen spricht.
  • Öffentlichkeit bedenken - Es sollte den Mitarbeitern klar gemacht werden, dass alle öffentlichen Verstöße oder sogar Postings in Freundeskreisen nach außen gelangen können. Die Mitarbeiter müssen sich der Gefahr, die von Ihren Postings für sie und deren Arbeitgeber ausgeht, bewusst sein.


Des Weiteren empfiehlt Schwenke, solche Regeln in internen Social Media Guidelines festzuhalten. Gerade Mitarbeiter aus dem Marketing sollten gezielt geschult werden, da bei Ihnen die Grenzen zwischen privaten und beruflichen Äußerungen noch weitaus verschwommener sind und dadurch ein höheres Risiko bestehe.

Zur Person: Thomas Schwenke ist Rechtsanwalt in Berlin, einer seiner Schwerpunkte ist Social Media Marketing. Außerdem ist er Autor des Buches “Social Media Marketing & Recht”, erschienen im O’Reilly-Verlag.

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