20 Jahre KONTOR4

12. April 2019

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In Hundejahren sicherlich nicht viel - in Internetjahren aber schon sowas wie eine Ewigkeit: Am 12. April 1999 wurde KONTOR4 gegründet. Was war, was ist, was sein wird - ein Interview mit dem Kopf hinter KONTOR4.

Die nachfolgenden Fragen sind im Rahmen eines internen Brainstormings entstanden und wurden dann von Dirk Pache (DP), Gründer und Geschäftsführer der KONTOR4 GmbH, beantwortet. Auch wenn es den Anschein hat: Das Interview hat so in der Form nie stattgefunden. Aber: Die Fragen hat er sich auch nicht selber gestellt.

Wie sah die online Welt vor 20 Jahren aus?

DP: Optisch so, wie wir rückblickend auf die Mode der Achtziger zurückschauen: Viel Gewagtes, manches aber auch zeitlos ... Technisch war das Bauen von Webseiten damals noch viel nerviger als heute. Man muss sich das mal vorstellen: Für den Netscape-Browser hat man damals Lizenzgebühren zahlen müssen. Damit die Webseiten in allen Browsern vernünftig und ähnlich aussahen, waren viel größere Anstrengungen fällig als heute. Irgendwo habe ich mal den Vergleich zu einem Automechaniker gelesen, der irgendwie dafür sorgen muss, dass ein Auto noch durch den TÜV kommt. Der TÜV war dann in der Regel der Internet Explorer ...

Die Startseite von KONTOR4 im Jahr 2001

Wer hat dich unterstützt?

Auch wenn sich unsere Wege inzwischen getrennt haben: Ohne meinen damaligen Kompagnon hätte ich den Schritt in die Selbstständigkeit nicht gewagt. Weil er schon eine Werbeagentur hatte, kam die Ergänzung um online und Internet genau richtig und wir hatten vom Fleck weg schon die ersten Kunden.

Die Wege haben sich getrennt - was ist passiert?

Ach, tut nichts zur Sache. Der Stolz alter Männer verhindert, dass wir uns da mal drüber austauschen. Mittlerweile glaube ich, dass ein Überwerfen mit ehemaligen Partnern dazugehört um zu wachsen. Das meine ich gar nicht auf finanzielles Wachstum bezogen, sondern auf innerlich/mental größer werden.


Huch, wer ist denn das?

Wie kam es zu dem Namen?

Das war ein Tipp einer damaligen Kundin. Ich wollte irgendwas mit "Pixel" im Namen haben. Weil "pixelpark" als Agentur damals das Maß aller Dinge war.

Aber die Kundin meinte, dass wir mit der neuen Sparte innerhalb der vorhandenen Agentur aus Kundensicht eine logische Reihenfolge hätten: KONTOR4 für neue Medien, KONTOR5 für Veranstaltungen und so weiter.


Gab es weitere Mentoren am Anfang?

Definitiv. Und zwingend zu nennen sind da die Kollegen von mann+maus bzw. 123map, mit denen wir nun auch schon seit 2003 in einer Bürogemeinschaft sitzen. Die haben mich und uns damals ziemlich supported und mit Projekten versorgt.


Die ersten Webseiten waren ja eher klein. Gab es denn auch mal etwas zum Angeben, große Marken und so?

Ja, gab es. Allerdings waren wir nie so unterwegs, dass wir die größten und geilsten wären. Das haben wir auch nie so nach außen kundgetan. Flach schießen, hoch gewinnen. Das ist eher unser Motto. Zumindest war es das mal.

Flach schießen, hoch gewinnen.

Das war unser Motto

Die größeren Projekte kamen dann für Blaupunkt aus Hildesheim, den Internetauftritt einer Stadt, die damals größte Wohnungsbaugesellschaft Norddeutschlands (NILEG), die Landestreuhandstelle (LTS) und die ersten Projekte innerhalb der NORD/LB.

Bei dieser Aufzählung fällt mir auf, dass die erstgenannten mittlerweile alle nicht mehr am Markt sind ... Haben wir schlechtes Karma?


Offensichtlich gab es ja dennoch weitere Nachfrage. Wie lief die Akquise, woher kamen die Projekte?

Vieles aus der Bürogemeinschaft, dann durch bestehende Kontakte zu meiner ehemaligen Messebaufirma und deren Grafikabteilung. Und durch Empfehlungen. Nein, nicht durch Mund-zu-Mund-Propaganda!

Sondern?

Mundpropaganda. Mund-zu-Mund ist küssen.

Und das hat gereicht?

Meistens, so muss ich das schon sagen. Im Jahresmittel immer okay, aber es gab da immer ziemliche Höhen und Tiefen zwischendurch.

Die Startseite von KONTOR4 im Jahr 2011

Was hast du geändert um das abzustellen?

Ich glaube der wichtigste Schritt war, dass ich mich, meine Arbeitsweise und meine Haltung geändert habe. Das ging wieder nur durch äußere Einflüsse, einen Mentoren und leidvolle Erfahrungen.

Beispiel?

Sich von Mitarbeitern trennen müssen weil die nicht bezahlt werden können - eine extreme Scheiß-Erfahrung. Unser flach schießen, hoch gewinnen Mantra habe ich dann vor gut vier Jahren etwas geändert. Wir posaunen das immer noch nicht raus. Aber wir haben unsere Sichtbarkeit in verschiedenen Online-Kanälen deutlich verbessert. Oder anders: uns auch endlich mal selber drum gekümmert.

Die Startseite von KONTOR4 im Jahr 2014

Wer war vor 20 Jahren Inspiration?

Das Buch Creating killer Web sites von David Siegel

Wir hatten damals ja nix ... Ich erinnere mich noch gut an die Newsletter von Dr. Web. Jeden Freitag geballtes Wissen, Tipps und Tricks von Sven Lennartz. Und das konnten wir dann auch immer gleich ausprobieren und in eigenen Projekte verwursten.

Das Buch (!) Creating Killer Websites von David Siegel war Pflichtlektüre.

Dann kamen Webdesigner wie Jeffrey Zeldman und Dan Cederholm dazu.

Tja, anhand der Inspirationsquellen kann man auch die damalige Ausrichtung festmachen: Wir waren sehr technisch unterwegs, haben den ganzen Quellcode am liebsten von Hand erstellt, natürlich auch ein eigenes Mini-CM/S mit dem Namen „Edith“ entwickelt und im Grunde nur in Technik gedacht wenn es um die Umsetzung von Seiten ging. Das soll keine Rechtfertigung sein, aber: Es hat ja gereicht!

Bis ca. 2011 hatten wir keine Anfragen in Richtung „Ich möchte mit meiner Seite gefunden werden“; „Wir wollen unsere Kunden mit einem Newsletter informieren", o.ä. - Erst durch verstärkte Anfragen und interne Umstrukturierungen habe ich auch KONTOR4 umgebaut.


Interne Umstrukturierungen klingt aber nach Konzern-Sprech. Was ist denn damit gemeint?

Ich hatte plötzlich keine Hardcore-Backend-Entwickler mehr. Und damit fehlte die technische Grundlage für unser nerdiges Handeln. Plötzlich ist auch übertrieben. Aber die Jungs wurden abgeworben, waren allesamt super - und dann stand ich da als letzter Indianer in der Agentur, während die da draußen die große Welt kennengelernt haben.

Also habe ich andere Schwerpunkte gesetzt für unsere Ausrichtung. Mehr Beratung und Konzeption, gefunden werden in Suchsystemen, Profile in sozialen Netzwerken etc. Aber ganz klar: Wir bauen auch weiterhin Webseiten. Aber eben nicht mehr mit einer REST-Schnittstelle zu SAP und einem Austausch der Daten in einem XML-Derivat.


Wie ist KONTOR4 heute aufgebaut?

Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir hier zu fünft unterwegs: Zwei Vollzeitmitarbeiterinnen und zwei duale Studentinnen. Mit dieser Truppe kommen wir derzeit sehr gut voran. Wichtig ist, dass es auch intern so organisiert ist, dass alle Bescheid wissen warum die Kollegin gerade keinen Kopf hat für Zwischenfragen oder warum ich permanent unterwegs bin oder wann das nächste große Ding startet. Mir sind unsere Rituale sehr wichtig.

Beispiele?

Unsere tägliche - wie sagen wir es richtig - Spielwiese?

Wir haben eine Dartscheibe. Jeden Morgen und zum Feierabend müssen alle Mitarbeiter drei Pfeile werfen und das Ergebnis per Hand an unser Whiteboard schreiben.

Am Ende des Monats gibt es eine Auswertung und der Verlierer gibt einen aus. Das ist im Laufe der Zeit immer komplexer geworden was das Regelwerk etc. angeht. Das ist das "sportliche" Ritual.

Organisatorisch viel wichtiger ist unsere "Vor- und Rückschau" am Freitag.

Was ist das denn?

Zu einer festen Zeit setzen wir uns für eine Stunde zusammen um über die vergangene Woche und nächste Woche zu reden: Was lief gut, schlecht, gar nicht und was steht in den nächsten Tagen an. Und dann werfen wir auch einen Blick in die Auswertung unserer Webseite, gucken uns Dinge an, die uns zum Staunen gebracht haben um dann im Anschluss langsam ins Wochenende zu gehen.

Naja, das kann man ja auch am Montagmorgen alles machen ..

Stimmt - aber mir ist vor allem die Rückschau wichtig. Weil man anhand des Vergangenen die Lehren für die Zukunft ziehen kann. Ohje, das klingt ganz schön dicke jetzt ...


Wie wird KONTOR4 wohl in Zukunft aussehen?

Puh - keine Ahnung! Mir würde es ja schon reichen, wenn wir mit unser Art und Weise die Dinge anzugehen und umzusetzen weiterhin am Markt bleiben können. Aufmerksam verfolgen was da draußen so los ist, Aus-, Weiter- und Fortbildungen der Mitarbeiter und die persönliche Überzeugung, dass das Wohl und Wehe unseres Tuns nicht den Fortbestand der Welt da draußen bestimmen - das sind die Leitsätze, die ich - wenn sie denn notwendig sind - über unser Firmentor hängen würde.

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